Polyphemos


Polyphemos
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Sohn des Poseidon*, ein Kyklop*, der Odysseus* und zwölf seiner Gefährten in seiner Höhle ertappt, als sie sich eben an seinen Vorräten und seinem Kleinvieh bedienen. Sogleich versperrt er den Ausgang mit einem riesigen Stein und verschlingt zwei von den Eindringlingen. Vier weiteren Griechen geht es ebenso, ehe Odysseus einen Weg findet, sich an dem Menschenfresser zu rächen. Er macht ihn mit Wein betrunken, lügt ihm vor, er heiße »Niemand«, und brennt ihm, während er schläft, mit einem an der Spitze glühend gemachten Pfahl sein einziges Auge aus. Auf das Gebrüll des Geblendeten eilen die anderen Kyklopen herbei, doch als sie ihn schreien hören, daß »Niemand ihm nach dem Leben trachte«, halten sie ihn für verrückt und zerstreuen sich wieder. Am nächsten Morgen schiebt Polyphem den Stein vom Eingang der Höhle weg, damit seine Schafe auf die Weide gehen können. Er selbst betastet jedes einzelne Tier, um die Griechen am Entkommen zu hindern. Die aber haben sich unter den Bäuchen der Tiere festgeklammert. So gelingt ihnen die Flucht, und Odysseus kann es sich nicht verkneifen, vom Schiff aus dem Getäuschten seinen wahren Namen zu nennen. Das hätte er besser unterlassen, denn nun kann ihn Polyphem im Gebet zu seinem Vater Poseidon ver-
wünschen – und dieser tut alles, um eine Heimkehr des Odysseus zu verhindern (Odyssee IX 105–555).
Während die Polyphemgeschichte der Odyssee sehr alte Märchenmotive enthält, ist die Werbung des ungeschlachten Riesen um die Nereide* Galateia*, die ihrerseits Akis** liebt, wohl ein ziemlich spätes Produkt dichterischer Phantasie. Als Satyrspiel hat Euripides im ›Kyklops‹ das Abenteuer des Odysseus auf die Bühne gebracht. Das burleske Stück ist das einzige seiner Gattung, das vollständig erhalten blieb. Von den zahlreichen Darstellungen der Blendung des Polyphem ist die auf einer in Caere gefundenen Hydria aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. wohl am bekanntesten (Rom, Museo Nazionale di Villa Giulia). Wie der verliebte Riese, die riesige Panflöte unter dem Arm, nach der schönen Galatea Ausschau hält, hat Sebastiano del Piombo um 1515 in der Villa Farnesina al fresco gemalt und dabei die häßliche Einäugigkeit des Monsters elegant vernebelt, indem er es im Profil zeigt. Auf den ersten Blick nur ein Naturbild ist Claude Lorrains ›Landschaft mit Acis und Galatea‹ (um 1670, Dresden, Galerie alter Meister), doch sieht man genauer hin, entdeckt man rechts im Bild den lauernden Riesen.

Who's who in der antiken Mythologie. 2013.

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